Es fängt unscheinbar an. Zwei Holzer kommen früher aus dem Wald zurück als gewöhnlich. Sie sagen wenig, schauen niemanden richtig an und legen ihr Werkzeug vor der Kapelle ab. Niemand weiß, warum gerade dort. Es wirkt nicht wie Vergessen, eher wie eine bewusste Geste. Doch im Dorf stellt man keine großen Fragen. Noch nicht.
In den folgenden Tagen verändert sich etwas. Gespräche drehen sich immer wieder um den Wald, um Geräusche, um eine Stille, die man so nicht kennt. Manche behaupten, nachts Gesang gehört zu haben. Andere winken ab. Der Alltag läuft weiter, zumindest oberflächlich. Es wird gearbeitet, gelacht, getratscht. Aber unter allem liegt eine Unruhe, die sich nicht abschütteln lässt.
Kinder stellen Fragen, die Erwachsene nicht mehr beantworten wollen. Im Schulhaus fallen alte Begriffe, die lange nicht mehr ausgesprochen wurden. Fengginnen. Bergwesen, von denen man sagt, sie seien so alt wie die Täler selbst. Keine bösen Gestalten, aber auch keine, die man leichtfertig reizen sollte. Sie zeigen sich nicht ohne Grund, heißt es. Und schon gar nicht, wenn alles im Gleichgewicht ist.